Kritik: Der Vorleser der Film
Seit dem 26.03 ist endlich Der Vorleser Der Film auch in den deutschen Kinos zu sehen. Nach dem vielen Trubel um Film und Schauspieler mit einem Oscargewinn für Kate Winslet, hat man nun die Gelegenheit sich selber seine Meinung zu bilden.
Meine Meinung ist zwar nicht helle Begeisterung aber sicher auch keine derbe Kritik. Es ist ein Film über ein sehr schwieriges Thema, nämlich die Frage der Schuld. Es wird keine Antwort gegeben. Im Buch nicht, wie auch nicht im gleichnamigen Film. Nachdem ich Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser in der Schule eingehend gelesen und besprochen habe, war ich gestern ein wenig über die Oberflächlichkeit im ersten Teil des Filmes enttäuscht. Es wird sehr viel mehr die Körperliche Beziehung zwischen Hanna Schmitz und Michael Berg in den Vordergrund gerückt, denn die Probleme, die der Junge durch diese Affäre mit der um Jahre älteren Hanna hat. Trotzdem imponiert es mir, wie selbstbewusst und selbstsicher der junge Schauspieler David Kross die vielen nackt und körperbetonten Szenen spielt. Dass Kate Winslet dies selbstbewusst hinbekommt, hat sie nun ja schon einige Male bewiesen.
Auffallend ist, dass es einige Unterschiede zwischen Bernhard Schlinks Der Vorleser und dem Film gibt. Es fallen einige Stelle im Film weg, bei denen es mich ein wenig verwundert hat, da sie im Buch sehr wichtig waren. So wird die Szene während der Fahrradtour nicht behandelt, in der Michael Hanna auf ihrem Hotelzimmer einen Zettel hinterlässt, dass er kurz weg ist. Diese Stelle ist insofern wichtig, da hier das erste mal deutlich gezeigt wird, dass Hanna Analphabetist ist und zu welchen Problemen dies führen kann. Auch wird die Stelle nicht behandelt, in der Michael auf dem Weg zu dem KZ Natzweiler-Struthof ist, nachdem der Gerichtsprozess in Frankfurt gegen die KZ-Aufseherinnen begonnen hat, von einem Mercedes Faherer mitgenommen wird und dieser sich als Nazi entpuppt.
Doch trotz dieser und anderer nicht behandelten Stellen, ist es Stephen Daldry gelungen, die Frage der Schuld und Vergebung aufzuwerfen und den Zuschauer in den Konflikt zu bringen, ob er für Hanna Schmitz Mitleid und sogar Sympathie entwickelt oder ihr trotz des Analphabetismus die Bürde der Schuld nicht abgenommen werden kann und darf. Da dies schon im Buch ein sehr komplexes und schwieriges Thema war, ist es nicht selbstverständlich, dass es der Film Der Vorleser schafft, dieses Thema in den Vordergund zu rücken und den Zuschauer in ein Dilemma des Mitleides und der Schuldfrage zu drängen.
Schauspielerisch war Der Vorleser mit Sicherheit eine große Meisterleistung, die bei Kate Winslet sogar mit dem Academy Award (Oscar) für Beste weibliche Darstellerin honoriert wurde. Auch für David Kross wird es hoffentlich ein Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere sein. Denn nach dieser Leistung als der junge Michael Berg, bin ich gespannt auf andere Filme von ihm. Dabei hoffe ich nur, dass er nicht in den zahlreichen deutschen Jugendproduktionen untergeht. Auch Bruno Ganz und Ralp Fiennes tragen zu dem bisherigen Erfolg eine gewichtige Rolle bei.
Alles in Allem ist Der Vorleser der Film ein guter Film, der der Romanvorlage Bernhard Schlinks sicherlich gerecht wird, allerdings an einigen Stellen zu oberflächlich und unterhaltungsbezogen wirkt. So fallen gegenüber des Buches auch einige Stellen weg, auf der anderen Seite werden einige ergänzt.


19. März 2009
[...] filmnähere Rezension findet ihr bei meinem Bruder: Der Vorleser. Raphael Kategorie: Gesellschaft Donnerstag, der 26. Februar 2009 Schon 9 Kommentare [...]