Ich befinde mich immoment in England und leiste ein FSJ ab. Wie ich an diesen Ort und in meine Community gelangt bin möchte ich hier ausführen.

Wie schon in meinem Eingangsartikel zu der Kategorie “Mein Leben” erwähnt, habe ich meinen Schulabschluss zu Ende gebracht und wollte ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Dafür habe ich mich bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste beworben, welche Jugendliche aus Deutschland in alle Welt an Sozialeinrichtungen vermittelt. Meine beiden Brüder sind mit der genannten Organisation nach England bzw. Tschechien vermittelt worden und haben dort ihren Zivieldienst abgeleistet. Für sie war es sicherlich ein prägendes und lehreiches Jahr in dem sie viele Erfahrungen gesammelt haben. Daher bewarb ich mich auch an gleicher Stelle-und wurde abgelehnt.

Die Absage erhielt ich Ende Dezember 2007 also blieb mir noch genügend Zeit eine Stelle zu finden, die ich nach dem Abi im July 2008 antreten wollte.

Ich habe ein Motivationsproblem bis ich ein Zeitproblem habe.

Wieviel Warheit man in lustigen, so daher geplapperten Sprüchen findet.

Mein Motivationsproblem wurde in der Sekunde zu einem Zeitproblem, als der letzte Restalkohol nach meiner Abifeier von meinem Körper verarbeitet war. Ich war kein Schüler mehr, hatte mich aber auch noch nicht um meine Zukunft gekümmert.

Ich habe die Zeit von Dezember bis July in der Hoffnung verbracht, dass mein Vater, meine Mutter, einer meiner Brüder oder sonstwer mir eine FSJ Stelle auf dem Silber - oder am besten auf einem Goldtablett serviert.

Und ganz ehrlich, schlecht sah es auch nicht aus!

Einer meiner Brüder hatte Kontakte nach Tschechien zu einer Organisation, welche Workshops für Jugendliche anbietet, um sie von der Straße wegzuholen. Hörte sich gar nicht so schlecht an - einziger Hacken: Es wäre von privat aus gelaufen und meine Eltern hätten mir meinen Lebensunterhalt bezahlen müssen, da der Organisation keine finanziellen Mittel zu Verfügung standen, um mich zu bezahlen.

Meine zweite Hoffnung beruhte auf meinen (Stief)Vater. Er hatte viele Kontakte und dadurch erhoffte ich mir dass Irgendwer, Irgendwen kennt der genau MICH braucht. Nur hatte mich mein Vater durchschaut und seine Hilfe an Bedingungen geknüpft, welche ich nicht eingehen wollte. So ärgerte er mich immer und fragte, ob ich nicht in die Wüste Israels will, Fische züchten (gibts wirklich hat er im Spiegel gelesen-verrückte Welt!). Doch im Hintergrund versuchte er Kontakte aufleben zu lassen, die mir sicherlich weitergeholfen hätten. Auch wenn er es nicht oft gezeigt hat, es lag ihm sehr viel an mir!

Eine weitere Option war, nach Australien zu gehen und mich ein Jahr lang mit Work and Travel über Wasser zu halten. Wobei ich wieder auf die finanzielle Unterstützung meiner Eltern angewiesen war, da man für ein Work and Travel Visum eine Sicherheit von umgerechnet 3000 Euro aufweisen muss.

Da ich immer davon ausgegangen bin, dass wir genügend Kohle haben und meine Eltern am Ende doch Milde vor Strenge walten lassen dachte ich, dass eine der Optionen in die Tat umzusetzten wäre.

Entweder war ich faul, naiv, blind, blöd oder wahrscheinlich alles zusammen, aber es war klar, dass diese Traum- und Erwartungsblase platzen musste.

Dies geschah Anfang März, als ich meinen Stiefvater tod in seinem Bed auffand.

Der Schock, die Trauer und auch die Wut ließ natürlich alles in den Hintergrund rücken - eine Welt war für mich kurz vor dem ersten großen Etappenziel (Abi) meines Lebens zusammengebrochen.

Doch so hart und schmerzlich die Welt zum Teil ist, ich musste ich mich wieder auf meine Zukunft besinnen. Und so stand ich dann da nach meinem Abi, hatte keine FSJ stelle, wollte nicht studieren, hatte keinen Stiefvater mehr und mit der Kohle sah es auf Seiten meiner Mutter durch den plötzlichen Tod ihres Mannes auch nicht mehr bombe aus, von meiner ganz zu schweigen.

Da ich an Gott glaube sage ich, dass es ein Geschenk Gottes war, andere würden sagen “glücklicher Zufall”. Meine Mutter hatte durch den Tod meines Stiefvaters wieder Kontakt zu einer alte Freundin, deren Sohn seinen Zivieldienst in einer Lebensgemeinschaft mit Behinderten in England leistete und dort sehr glücklich war.

So stellte ich mitte Mai über meine Mutter Kontakt zu eben jenem jungen Mann her und wir standen in unregelmäßigen Kontakt via eMail.

Nach einer Mail stand fest, dass die Wohngemeinschaft noch Zivis bzw. Freiwillige Co-Worker braucht und diese auch über private Wege annimmt. Doch ich blieb mir treu und schaffte es nicht mit Niklas (besagter junger Mann)in regelmäßigem Kontakt zu bleiben. Es vergingen 3 Monate und ein Abi und ich konnte langsam wirklich nicht mehr gut schlafen.

So erhöhte ich die Senderate meiner Mails nach England und wir telefonierten miteinander. Er erzählte mir, was alles an der Community positiv sei und warum er mir empfehlen würde dorthin zu kommen. In meiner Verzweiflung hörte ich nur die guten Dinge, oder wollte sie hören-was ich später teilweise bereuen sollte. Doch dazu ein Andermal.

Ich verkürzte extra meinen Sommerurlaub in Spanien, um nach England zu fliegen und mir einen Blick vor Ort zu verschaffen und schonmal Konakt zum Manegment herzustellen. Sogeschehen war dies gar nicht so schlecht - ich erzählte einer Managerin meine Story und mein Problem mit der FSJ Stelle. Sie zeigte Verständniss und so gab sie mir eine Liste mit auf den Weg, was sie benötigt um mir eine Stelle anzubieten.

Ich brauchte wiederum einen Monat und einige (zu)viele Arschtritte, bis ich meine Bewerbung und den restlichen Kram abschickte. Es war bereits Anfang August!

Am 1 September 08 saß ich auf meinem Gepäck am Flughafen und es hieß Abschied nehmen von meiner Freundin und Freunden. Ich wurde in der Wiliam Blake House Community aufgenommen.

Nun sitze ich endlich in England in der Wohngemeinschaft, arbeite sechs Tage die Woche 12-14 Stunden am Tag mit meinem Resident Alan. Einem autistischem, rothaarigen (genauso wie ich;-) Behinderten, 28 Jahre alten Mann und muß/darf sein Leben mitleben.

Danke Gott, Danke Mama, Danke an meine Brüder, an meine Freundin, an meine Kleingruppe-und vorallem an meinen verstorbenen Stiefvater der sicherlich stolz auf mich wäre (auch wenn er mich lieber in Israels Wüste mit einem Käscher in der Hand sehen würde;-).

Danke Stachi!