Der Gedanke des FSJ
Als ich mich nach meinem Abi fragte, was willst du machen, war meine Antwort: Das wofür jede Bewerbungsfrist schon abgelaufen ist! Verdammt wollte ich das eine Jahr nach dem Abi doch nutzen um rauszukommen. Raus aus Deutschland und hinein ins Vergnügen - und das wollte ich dann mit etwas Sozialem verbinden. Auf deutsch ich wollte ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen, da ich vom Wehrdienst freigestellt wurde.
Ich war mit 16 für sechs Wochen alleine in Namibia. Nicht eine dieser pauschal Reisen, ohne Organisation nur durch Kontakte meines Vaters. So führte es mich an Plätze wo der Urlauber mit Sandalen, weißen Tennis Socken und Kamera um den Hals nicht hinkommt. Ich fuhr einen Tag mit der Chefin einer Entwicklungsorganisation durch die Elendsviertel Windhoeks und an diesem Tag wuchs in mir die Idee nach dem Abitur ein Jahr etwas Soziales zu machen. Ich wollte und will der Welt immer noch etwas zurück geben, da ich so bevorzugt behandelt werde.
Wir können uns den Alltag von Menschen nicht vorstellen die ohne fließend Wasser, Strom und mit löchrigen Wellblechdächern leben müssen. Ich kann es mir immernoch nicht vorstellen obwohl ich es mit eigenen Augen gesehen habe. Wellblechütte an Wellblechütte gereiht-im Winter zu kalt, im Sommer zu heiß und in der Regensaison fallen sie auseinander, da sie der Flut an Regen nicht gewachsen sind. Ein Kindergarten ohne Fußboden ohne bunte Möbel geschweigedenn Spielsachen, völlig überfüllt mit kleinen Kindern die Hoffnung ausstrahlen und dieser für mich unwirklichen Umgebung. Kinder die ihr Geschäft auf staubigen Straßen verrichten und Kieselsteine nehmen um sich zu säubern immer in Blickweite die Hügel mit Villen, allesamt umgeben von meterhohen Mauern und elektronischen Zäunen.
Es war definitiv nicht der schönste Tag meines Lebens, aber es war einer der prägendsten. So wurde aus der Idee des sozialen Jahres ein Gedanke der mich nicht mehr losließ.
Da stand ich nun, hatte das bestandenen Abitur und die neu erworbene Freiheit oft genug gefeiert und mir selber auf die Schulter geklopft und stellte fest dass mein Gedanke an ein Freiwilliges Soziales Jahr bisher kein Ergebniss hervorbrachte. Ich wollte definitiv ins Ausland und in einem sozial Projekt arbeiten. Doch es war schon mitte July, alle Bewerbungsfristen der großen Organisationen waren schon vor Monaten abgelaufen und ich hatte keine Ahnung wie ich privat an eine Organisation kommen sollte um meinen Gedanken doch noch aufs wahre Leben zu übertragen.
All meine Verägerung schub ich der einen Organisation zu, der ich am Tag der Bewerbungsfrist eine wohl unzureichende Bewerbung schickte. Ich wurde auf eine Warteliste geschoben und habe danach nie mehr was von dem Verein gehört-was eine Frechheit!
So gefiel ich mir noch einige Wochen in dem Gedanken, dass ich es ja versucht hatte.
Letzendlich habe ich es meiner Mutter zu verdanken, dass ich heute in England sitze, für meinen authistischen Resident Alan jeden Tag sorgen muss und wenigstens ihm ein wenig Liebe, Beachtung und Fürsorge geben kann.
Wie es dazu kam und wie mein Leben in der Community im Zuge des FSJ aussieht möchte ich in einem kleinen Tagebuch hier fortführen.


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